„Durch das Dunkel hindurch
scheint der Himmel hell“
Osterlied, Text: Hans-Jürgen Netz
Liebe Gemeinde,
mit dem Frühling erwacht die Natur jedes Jahr aufs Neue. Und mit dem Frühling rückt Ostern heran, jedes Jahr wieder.
Ostern ist das Fest der Freude: Freude, die Tränen des Leids trocknet, Freude, die uns begeistert und andere ansteckt.
Beim Osterwunder geht es um so viel mehr als die Freude an einem gefundenen Osterei oder Schokohasen.
Es geht um eine Freude, die unserem ganzen Leben gilt. Sie möchte uns einen Blick auf unser Leben und unsere Welt schenken,
der von Zuversicht und Hoffnung geprägt ist. Da, wo bittere – manchmal stille und unsichtbare – Tränen von Leid und Verzweiflung herrschen,
sagt uns die Osterbotschaft: alles Leid, alle Dunkelheiten, alles Zerstörerische, alle lebensfeindlichen Mächte, alles Schwere hat
nicht das letzte Wort – nicht einmal der Tod hat das letzte Wort.
Leid, Schmerz und Not werden dadurch aber nicht einfach weggewischt oder als halb so schlimm abgetan: nein, unsere Welt und oft
auch unser Leben ist voll von Angst und Not. Das Kreuz Jesu steht für Leid, Unrecht, Not und Tod. Und dennoch rufen wir uns Jahr für
Jahr zu Ostern den Ostergruß der frühen Christenheit zu:
„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!“.
Jesu Auferstehung bringt die Botschaft mit, dass nicht alles so bleiben muss, wie es ist, dass es anders werden kann, dass Freude wieder einziehen kann ins
Leben. Leben wieder zurückkehren kann, auch da, wo es stillsteht oder kein Lebensmut mehr vorhanden ist, dass das Leben und die
Welt anders werden können, es (wieder) hell werden kann. Nicht immer wendet sich alles im Leben zum Guten, das wissen wir alle.
Trotzdem, oder gerade deswegen will uns die Osterbotschaft dazu ermutigen mit der Hoffnung zu leben.
Aus dem Vertrauen und der Zuversicht heraus zu leben, dass wir einen Gott haben, der es gut mit uns meint, der selbst Not und
Tod erfahren und überwunden hat, der uns dadurch auch im Leid nahe ist und der uns unendlich liebt.
„Ich glaube an die Auferstehung der Toten“, sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Auferstehung: Die Hoffnung, dass unser Leben
mit dem Tod nicht endet. Ich glaube aber auch, es gibt Auferstehung schon mitten im Leben. So, wie es die Jüngerinnen und Jünger Jesu
erlebt haben: als sie wieder fröhlich wurden, nachdem sie sich nach Jesu Tod verkrochen hatten und all ihr Mut gewichen war. Als
alles wieder Sinn machte, sich bei ihnen eine neue Perspektive einstellte. Inmitten ihrer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ist Jesus ihnen
erneut begegnet und hat versprochen: „Ich bin bei euch bis ans Ende aller Tage.“
„Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell – so hell soll auch die Erde sein, steht auf, steht auf, steht auf.“,
heißt es in einem Osterlied. Jesu Auferstehung ist auch ein Aufruf, für das Leben einzutreten, es zu lieben und zu verteidigen, wo immer es bedroht
ist und so die Hoffnung in die Welt und zu unseren Nächsten zu tragen.
„Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell“, so glaube ich, weil Gott an seiner Welt und uns Menschen festhält und weil sich immer wieder Menschen
finden, die sich von seiner Liebe anstecken lassen und sie weitertragen in die Welt.
„Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell“, weil Kreuz und Auferstehung Jesu uns zeigen, dass unser Gott ein Gott des Lebens ist und sich in Jesus seine unendliche
Liebe zu uns gezeigt hat und deshalb Vertrauen, Glaube, Hoffnung, Liebe und Lebensfreude in uns wachsen können.
Ich wünsche Ihnen frohe Ostern und die Fähigkeit durch das Dunkel der Welt hindurch das helle Osterlicht zu sehen!
Ihre Pfarrerin
Denise Weiberg


